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Edelstein-Krimi als Ballett

Das Ballett Stuttgart zeigt tanzend, wie ein Goldschmied zum Mörder wird. Rückblick auf den 16. Februar 2012: Ballett von Christian Spuck nach der Novelle ‚Das Fräulein von Scuderi‘ von E.T.A. Hoffmann.

 

„Das Fräulein von Scuderi kleidete sich in eine Robe von schwerem Seidenzeug,

schmückte sich mit Cardillacs köstlichem Geschmeide, hing einen langen, schwarzen Schleier über und erschien so in den Gemächern der Maintenon zur Stunde, da eben der König zugegen.“
Aus diesem kleinen Satz in der Novelle ‚Das Fräulein von Scuderi‘ von E.T.A. Hoffmann gestalten Marcia Haydée als das „Fräulein von S.“, die Kostümbildnerin Emma Ryott und Christian Spuck einen großen Auftritt.


Das Fräulein von S. schaut von der Rampe in das Publikum, eingewickelt in einen schwarzen Sari, der in einem halb bühnenbreiten, drapierten Stoffmeer endet. Sobald sie sich vom Publikum wegdreht und fortschreitet, erkennt man das weit ausladende Rokokokleid. Mit jedem Schritt dehnt sie das Stoffmeer zu einer Schleppe, deren Spitze sich erst bewegt, als sie schon fast am Ende der Bühne angelangt ist.

Der in seiner Kunst unerreichbare Goldschmied Cardillac,

hervorragend getanzt und gespielt von Roland Havlica, zeigt am Anfang unkoordinierte Bewegungen, die symbolisieren, dass so ein Mensch nicht richtig im Kopf sein kann. Seine vier kostbaren Edelsteine (Alicia Amatriain, Anna Osadcenko, Myriam Simon, Angelina Zuccarini) befreit er aus ihren Glaskäfigen. Mit jeder tanzt er; dann werden sie von ihren Galans abgeholt und er steht allein da, wirft sich auf den Boden und stößt einen Schrei aus, der etwas an das Gebrüll eines hungrigen Löwens erinnert. Da versteht jeder, warum er sich seine Edelsteine durch Morde zurückholt.

Christian Spuck möchte die Geschichte des mordenden Goldschmieds nicht nacherzählen, sondern die Emotionen, die sie hervorruft, tänzerisch umsetzen.
Er schleust eine Erzählerin ein, die durch die Handlung führt. Die quirlige Mireille Mossé als „S.“ zu sehen ist schon ein Erlebnis für sich. Nur anhand ihrer Erklärungen die Handlung zu verstehen ist dagegen sicherlich schwierig. Mireille Mossé spricht zwar wohl artikuliert, aber durch ihren Akzent und die äußeren Umstände ist sie nicht immer gut zu verstehen. Das Opernhaus ist – glücklicherweise – dafür ausgelegt, Musik von original gespielten Instrumenten zu Gehör zu bringen. Lautsprecher-Übertragungen sind oben in den Rängen, und da in den hinteren Reihen, schwer zu verstehen. Im ersten Akt duelliert sich Mireille Mossé mit der Musik vom Band, die weiter hinten eher als Geräuschkulisse wahr genommen wird. Wenn sie aber im dritten Akt versucht, mit dem Orchester in Konkurrenz zu treten – bevorzugt in Stellen mit den Bläsern zusammen – wird ihr Text schon in der achten Reihe unverständlich.

Musik und Tanz werden eins

Mit Kompositionen von Robert Schumann begleitet ein Streichquartett auf der Bühne wunderschöne Tanzszenen. Unterbrochen werden sie durch Musik von Martin Donner aus dem Lautsprecher – für alle ist ein deutlicher Unterschied spürbar. Schwarze Kleider und Kostüme weisen gleich zu Beginn auf die vielen Morde hin. Die drei Vollstrecker von Gericht und Polizei (Damiano Pettenella, Jason Reilly, Matteo Crockard-Villa) zeigen sich hart und unnachgiebig. Madelon (Katja Wünsche) tanzt mit geschmeidig fließenden Bewegungen, ganz die besorgte Liebende, die ihren Olivier (William Moore) von den falschen Anschuldigungen retten möchte. Im Pas de deux der Verliebten kommt die Verzweiflung über ihre Lage zum Ausdruck. König (Arman Zazyan) und Maitresse (Oihane Herrero) dagegen zeigen sich höfisch, vom blasierten Gesichtsausdruck bis zu den übertriebenen abgehackten Bewegungen.

Das Fräulein von S. muss König, Maitresse, Hofstaat und vor allen Dingen das Gericht von Oliviers Unschuld überzeugen.

Im dritten Akt geht alles zackzack, mitten durch riesige Schloss-Türen. Sie stehen auf dem Fundament eines Mercedessterns, den die Tänzer drehen und herum schieben. Tür auf, Tür zu – wie in einer Boulevardkomödie. Das Staatsorchester unter der Leitung von Wolfgang Heinz spielt Kompositionen von Philip Glass und Michael Torke. Christian Spuck suchte die Minimal-Musik für dieses Ballett aus, für das es komponiert zu sein scheint. Massenszenen für 36 Tänzer; abstrakte Tanzszenen für die Solisten. Das Stuttgarter Ballett besteht aus vielseitigen, ausdrucksstarken Tänzern.

Krimis gab es also schon zu früheren Zeiten, allerdings noch keine Krimis, die man im E-Reader lesen konnte.

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